Haustiere sind etwas schönes. Es macht Spaß sich mit ihnen zu beschäftigen, oder sie nur zu beobachten.

Sie sind schnell angeschafft, aber manche Menschen beschäftigen sich mit Haltungsbedingungen und Pflegeaufwand der zukünftigen Familienmitglieder zu wenig. So kommt es immer noch vor, dass Wellensittiche oder Kaninchen einzeln gehalten werden. Es wird falsch gefüttert, Käfige sind zu klein oder haben die falschen Maße, das falsche Spielzeug. Bei alledem kann man sich nicht auf das Zoo"fach"geschäft verlassen. Wenn ich einen Zoofachhandel betriebe, so gäbe es keine Minihamsterkäfige, keine rauen Sitzstangen, keine Tiere in Einzelhaltung, keine Leckerlies mit Zucker/Honig/Schokolade(!), keine Spiegel und die vielen anderen Unsitten. 

 

Mir ging es in der Kindheit ähnlich. Ich bekam ein Meerschweinchen zum Geburtstag. Charlie, ein braun-schwarz-weißes Rosettenmeerschweinchen hielt Einzug in die Kinderstube. Es wäre wohl lange oder sogar sein Leben lang allein geblieben. Einem glücklichen Umstand folgend bekam er nach nur einem halben Jahr eine Partnerin an die Seite. 

Ein Schulfreund hatte bei der Tauben- und Kaninchenausstellung in Pegau bei einer Tombola ein schwarz-weiße Rosettenmeerschweinchen gewonnen und wusste, dass ich schon so eine Fellnase hatte. Wie es der Zufall wollte, war es ein Weibchen, und wurde kurzerhand Rosalie getauft. 

Aufgrund des Nichtbeschäftigens mit den Anforderungen an Haltung und Pflege solcher Tiere resultierten viele verhindernswerte Begebenheiten. Rosalie wurde natürlich in nur einem Jahr vier- oder fünfmal tragend. Wir bekamen die Tiere vermittelt, aber auch hier ohne Hinweis auf richtige Haltung, ich wusste es doch mit neun oder zehn Jahren selbst nicht besser.

Den Stall habe ich viel zu selten sauber gemacht, alle 2-3 Tage waren locker nötig. Der nächste Punkt ist das Futter. Natürlich bekamen sie allerlei Nagerstangen, Joghurt-Drops, und so weiter. Dass das alles mit Zucker und Honig versetzt war, das war uns nicht bewusst. Das wichtigste aber war die Heuversorgung. Meerschweinchen benötigen immer Heu, und mit "immer" meine ich ohne Pause. Es muss einfach immer da sein. So ein Meerschweinchenverdauungstrakt funktioniert nur mit vorne nachschieben. Sonst kommt hinten nichts raus.

So kam es dann auch und Charlie musste oft zum Tierarzt. Er hatte schlimme Verstopfungen und wurde dünner. Nachgefragt, wie ich denn die Tiere füttere, das hat der Tierarzt nie. Er ist früher als nötig verstorben und infolge dessen war Rosalie wieder allein. Sie blieb es auch, machte zwar keinen bekümmerten Eindruck, aber man muss nicht nachdenken um zu wissen, dass ein neuer Partner die bessere Lösung gewesen wäre.

 

So wie mir ging und geht es vielen Haltern, und so ergeht es vielen Tieren.

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